Japan 151

Häppchenweise Landeskunde

Japan 151

Fotojournalist Fritz Schumann nähert sich in 151 Kurzartikeln an Japan an und gibt hierbei einen leicht konsumierbaren Einstieg zum Inselreich und seinen Einwohnern. Natürlich kommen in Japan 151 auch all die Dinge nicht zu kurz, die den Japanern und all den Menschen gefallen, die sich für das Land interessieren.

Studien zeigen, dass im Internet solche Inhaltsangebote am besten funktionieren, die Informationen häppchenweise und leicht konsumierbar präsentieren. Hierzu gehören Artikel wie „10 brandneue Arten, mit denen Sie garantiert innerhalb von 12 Tagen 8 Kilogramm verlieren“ oder „50 Frisurentipps, mit denen Du aussiehst wie Justin Bieber“. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Sachbuchreihe „151“ aus dem Conbook-Verlag. Bei der geht es zwar nicht um Radikaldiäten und Stylingtipps, dafür aber um ein breit gefächertes Themenpotpourri zu einem bestimmten Land. Die 1 – 2 Seiten langen Kurzartikel befassen sich mit geografischen, soziologischen, popkulturellen, kulinarischen und anderen Fakten, die für den Landesreisenden oder -interessierten relevant sein könnten.

Godzilla-Denkmal
Denkmal der mutierten Riesenechse Gojira in Hibiya. Bild: (c) Fritz Schumann

Dies ist bei Japan 151 nicht anders: Auch hier sind die Artikel so kurz, dass man Sie schnell noch vor dem Schlafengehen, beim Zähneputzen oder Kurzstreckenpendeln konsumieren kann. Die Lesereihenfolge ist dabei eher egal, da das Buch keine durchgängige Rahmenhandlung erzählt und auch sonst nur streckenweise eine annähernd lineare Struktur zu erkennen ist – zum Beispiel sind zum Thema Essen ein paar Artikel hintereinander weg angeordnet. Zur Auflockerung ist das Geschriebene mit oft passenden, teilweise sehr schönen Bildern angereichert. Ein Großteil der Fotos wurde vom Autoren selbst beigesteuert.

Doch die Kürze der Artikel ist nicht nur ein Segen. Während das Kondensieren bei Nischenartikeln wie „Playstation“ gut funktioniert, reicht der Platz für komplexere Inhalte wie zum Beispiel zu historischen Ereignissen nicht aus. Diese laufen dann Gefahr, so stark vereinfacht zu sein, dass die Zusammenhänge von thematischen Laien nicht verstanden werden können oder sogar Missverständnisse entstehen lassen.

Ein Beispiel: In Artikel 4 bekommt der Leser einen Kurzabriss zum Adelsgeschlecht der Shogune und hierbei TOKUGAWA Ieyasu als  bedeutendsten Shogun präsentiert. Im anschließenden Artikel 5 geht es um die Meiji-Zeit und Commodore Perry, der gegenüber TOKUGAWA mit Marinegewalt die Öffnung des isolierten Inselstaats erzwang. Leser ohne Vorkenntnisse könnten hierbei davon ausgehen, dass dies immer noch eben der TOKUGAWA ist, der im vorangegangenen Artikel eingeführt wurde. Mangels Vornamen oder sonstiger Hinweis fehlt die Information, dass es sich um einen Nachfahren handelte – Ieyasu wäre zum Zeitpunkt des Eintreffens der schwarzen Kriegsschiffflotte bereits 310 Jahre alt gewesen. Selbst für das Volk der Methusalems ein bislang unerreichtes Alter.

Videospieler
Unermüdlicher Zocker in Spielothek. Bild: (c) Fritz Schumann

Schön wäre mitunter auch eine rote Linie, die sich durch das Buch zieht und dem Ganze Zusammenhang und eine einheitliche Form geben würde. Auch wirkt die Auswahl der Artikelthemen mitunter sehr willkürlich und so, als habe sich Fritz Schumann beim Umschauen in seinem Zimmer inspirieren lassen, um auf die verlagsseitig gewünschten 151 Artikel zu kommen. „Neon Genesis Evangelion“ ist eine fantastische Manga- und Anime-Serie. Die „Oma-Fahrräder“ Mamachari sind eine interessante Realität im japanischen Alltag. Vielleicht sind solche Themen aber für eine sonst eher oberflächliche Einführung in Nippon, seine Menschen und Gebräuche, dann doch zu speziell. Doch verleihen gerade diese Artikelmischung und -auswahl dem Buch eine persönliche Note, die ansonsten – mit Ausnahme von ein bis zwei Sätzen des Kommmentars – vergleichsweise kurz kommt.

Abgesehen von der buchreihenbedingten Kurzform und anderen kleinen Mängeln ist Japan 151 ein sehr guter Einstieg in Land und Leute. Es macht Appetit auf die Kultur und einen Besuch der Inselgruppe. Und dort kann das Gelesene dann mit eigenen Erfahrungen angereichert werden.

Weiterführende Infos:

Website zur Buchreihe mit Probeartikeln
Website und Blog des Autors

Info Box

Cover Japan151

Japan 151,
Ein Land zwischen Comic und Kaiserreich in 151 Momentaufnahmen
Autor: Fritz Schumann
Form: Softcover, 13,9 x 2,2 x 20,8 cm, 288 Seiten mit überwiegend farbigen Fotos.
14,95 Euro

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Hinweis: Das Buch wurde Japanlink vom Conbook-Verlag kostenlos für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Dies und die Tatsache, dass ich auch schon als Co-Autor ein Buch im vorgenannten Verlag veröffentlichte, haben mich bei der Beurteilung von Japan 151 nicht beeinflusst.

Fazit

6.6
Dieses Buch bietet einen netten Rundumschlag zu Japan. Mangels inhaltlicher Tiefe und wirklicher Überraschungen dürfte das Werk besonders Japan-Einsteiger ansprechen. Thematisch Fortgeschrittene und Experten können sich zumindest noch an Kurzartikeln zu Popkulturnischen und an einigen ansehnlichen Fotos erfreuen.
Wertung 6.6
Pro
Schneller Einstieg in Land, (Pop) Kultur, Geschichte und Leute
Contra
Konzeptbedingt eher oberflächlich und mit wenig Neuem für Japankenner
Jigokudani Höllental Noboribetsu
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