Drive

Verfolgungsjagd im Schneckentempo

Drive

Wenn doch nur schon von Feierabend wäre. Es ist punkt 13 Uhr und Sie sitzen – wie an jedem Tag – mit einem vor Schmerzen hämmernden Kopf in ihrer Durchschnittslimousine und warten darauf, dass das hübsche, leicht tollpatschige Mädchen auftaucht, das Sie hier jeden Tag zur selben Zeit sehen. Und da ist sie, die Ampel schaltet auf grün, Sie blicken dem Mädchen in die Augen, ein Erkennen, Sie machen sich bereit, das Gaspedal mit dem rechten Fuß anzutippen und davon zu rollen, als die Türen ihres Wagens aufgerissen werden und drei mit Skimasken vermummte Männer in Ihren Wagen springen und Ihnen lautstark befehlen, loszufahren und einem anderen Fahrzeug zu folgen. Eine wirklich unangenehme Situation, in der man voller Panik den Kopf verlieren könnte.

Gut, dass statt Ihnen Apothekenlieferant ASAKURA Kenichi hinter dem Lenkrad sitzt. Der ist zwar auch nicht erfreut über die ungebetenen Fahrgäste, aber dem Befehl, trotz inzwischen roter Ampel loszurasen, kann und will er aus Prinzip nicht Folge leisten: Es wäre gegen die Verkehrregeln. Daran ändert auch das Gebrüll der vermummten Herren nichts, die zuvor eine Bank überfallen haben und nun gerne ihrem Komplizen und der von ihm abgegriffenen Beute im anderen Auto folgen möchten. Auch die grüne Ampel bringt die Räuber nicht wirklich voran, denn schließlich gilt ein Tempolimit und das wird von Asakura nicht überschritten. Im Leben nicht.

So die Ausgangssituation von Sabus „Drive“, seinem ersten Regie- und Drehbuchwerk nach dem preisträchtigen „Monday“. Und wieder einmal beschäftigt er sich mit der Welt des kleinen Mannes, der unverschuldet in scheinbar unlösbare Probleme hineinschlittert. Die Hauptrolle wurde – wie in allen seinen vier Filmen – mit dem Theatermimen TSUTSUMI Shinichi besetzt, der souverän den kopfschmerzen- und prinzipiengeplagten Asakura gibt. Für die hochkarätige Darstellerriege konnte er ferner SHIBASAKI Kô („Go“, „Battle Royale“), KITANOs Stammschauspieler ÔSUGI Ren („Sonatine“, „Hana-bi“, „Dolls“) und Teenie-Idol ANDO Masanobu („Kids Return“, „Battle Royale“) gewinnen.

Drive Szene
Asakura und seine unerwünschten Beifahrer. Bild (c) Drive Film Partners

Zurück zum Fluchtwagen, der mit 40 km/h durch eine japanische Stadt schleicht: Die Bankräuber und frischgebackenen Entführer sehen ein, dass sie Asakura auch mit Waffengewalt nicht zu einer Verfolgung des abtrünnigen Komplizen bewegen können. Hier ist er stur und seines Vaters Sohn, der es seinerzeit vorzog, traditionellen Samurai-Prinzipien zu folgen: Als er nach Schließung seiner Werft arbeitslos wurde, bekämpfte er seine Schmack durch Selbstentleibung. Der Mann mit dem Geld ist derweil schon über alle Berge und er könnte seinen Lebensabend sicher glücklich mit einer Traube schöner Frauen in seinem Sportwagen verbringen, wenn ihm beim Wagenwechsel nicht eine kleine, aber folgenreiche Dummheit unterlaufen würde.

Die übrigen Drei und ihre Geisel dinieren inzwischen zur Lagebesprechung in einem französischen Restaurant, als Kenichi in der Folge eines pochenden Migräneanfalls eine Kette aberwitziger Schicksalswendungen anstößt: Hierzu gehören die moralisch wertvolle Abkehr der Räuber von der kriminellen Karriere und die Begegnung mit einem Geister-Samurai sowie einer Hundertschaft von Zombie-Soldaten.

Nach einem Einsatz als Schauspieler in MIIKE Takashis „Ichi the Killer“ (Sabu hatte 1986 eine Karriere als Schauspieler begonnen und in dieser Zeit unter seinem bürgerlichen Namen TANAKA Hiroyuki eine Reihe Filme abgeliefert, in denen er meist einen Yakuza mimte. In einem dieser Filme war Sabu der Name seiner Figur. Später nutzte er ihn als Künstlernamen für seine Projekte als Regisseur) erfreut Sabu in dem von ihm inszenierten „Drive“ mit unerwarteten Storywendungen, schrägen Charakterzeichnungen und abstrusen Situationen. Dabei schafft er den Balanceakt zwischen eher ernsten Szenen, in denen die Gründe für Asakuras stoische Art angedeutet werden und humoresken Etappen, die niemals in eine sanfte Komödie abgleiten. Ein FaFahrwasser, in dem leider viel zu viele japanische Produktionen schippern. Eine wahre Perle des japanischen Films.

Info Box

Drive Cover

Drive,
Japan 2002
Regie und Drehbuch: Sabu (TANAKA Hiroyuki)
Produzenten: KASHINO Takahito, TANI Norihiko und SAKAGAMI Naoyuki
Darsteller: TSUTSUMI Shinichi, SHIBASAKI Kô, ANDO Masanobu, KAKEI Toshio, OSUGI Ren, TERAJIMA Susumu
Produktion: IMJ Entertainment/ Twins Japan Production/ Drive Film Partners
102 Minuten (Farbe).

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