Aragami

Sake, Wein, Wodka und ein Duell der anderen Art

Aragami

Ein Film, ein Raum, drei Darsteller und ein niedriges Budget – klingt nach bemüht intellektuellem Theater-Kino, vor allem aber nach gähnender Langeweile. Dass dem nicht so ist, bemerkt man jedoch schon wenige Minuten nach Beginn dieses sehr ungewöhnlichen Samurai-Films.

„Aragami“ fängt krachend an und hört auch krachend auf. Am Anfang wütet ein Gewitter, es blitzt und donnert. Auf einmal stehen zwei schwer verwundete Samurai vor der Tür eines abgeschiedenen Klosters in den Bergen. Nur einer der beiden Freunde überlebt und wird von dem Hausherrn (KATO Masaya) und einer nicht besonders redseligen, aber stets in geschmackvolle Kimonos gehüllten Dame (UTOANI Kanae) gepflegt. Als er wieder erwacht ist er natürlich bestürzt über den Tod seines Freudes, der für ihn wie ein Bruder war.

Trotzdem gebietet es natürlich die Höflichkeit (und Höflichkeit wird in dem Film groß geschrieben), mit dem Gastgeber zu speisen und – zumal es in Strömen regnet – noch die Nacht abzuwarten und mit dem Lebensretter noch den ein oder anderen Tropfen aus fernen Ländern zu trinken. Am nächsten Morgen dann soll die Leiche des Freundes wieder in dessen Heimat überführt werden. Einige Gläser eines merkwürdigen Getränks, das die Franzosen „Wein“ nennen, später, erzählt der Gastgeber von dem gefährlichen Dämon Aragami, der einer Legende zufolge in den Bergen hause sei. Und dass er – Überraschung – eben dieser Tengu sei.

Keine Frage, die Situation schreit förmlich nach einem Kampf zwischen Gut und Böse, auch wenn der junge Samurai (OSAWA Takao) auf die Eröffnung seines Gegners hin erst einmal in schallendes Gelächter ausbricht. Überraschenderweise gleitet „Aragami“ jedoch niemals in einen herkömmlichen „Mann gegen Mann“-Film ab – zu verstrickt sind die Schicksale der beiden Hauptdarsteller, zu sehr ähneln sich die beiden letztlich. Zwischen die teilweise spektakulären Schwertkampfszenen, in denen die beiden Gegner zeigen, dass eine Klinge eben doch stets die eleganteste Waffe bleiben wird, sind immer wieder längere Gespräche mit viel trockenem Humor eingewoben. Ungewöhnliche Kameraperspektiven, schnelle Reiß-Zooms und der im Grunde schon viel zu häufig kopierte Matrix-Effekt stehen dabei im Kontrast zu den altmodisch höflichen Dialogen, die beide Hauptdarsteller sehr engagiert zum Leben erwecken.

Doch der wahre Kampf findet nicht auf der Leinwand statt. Der wirkliche Wettstreit herrscht zwischen Regisseur KITAMURA Ryuhei („Versus“) und seinem Kollegen TSUTSUMI Yuhihiko. Die beiden in Japan sehr bekannten Regisseure haben sich gegenseitig ebenfalls zu einem Zweikampf der besonderen Art herausgefordert. Die Regeln dieses „Duel Project“: Beide müssen innerhalb von nur sieben Tagen jeweils einen Film mit geringem Budget und auf begrenztem Raum inszenieren. Das vorgegebene Thema: ein erbitterter Zweikampf auf Leben und Tod.

Info Box

Aragami Plakat
Aragami-Plakat. Bild: (c) Rapid Eye Movies

Aragami,
Japan 2002
Regie und Drehbuch: KITAMURA Ryuhei
Darsteller: OSAWA Takao (Samurai), KATO Masaya (Aragami), UOTANI Kanae (Frau)
80 Minuten (Farbe).
Kinostart Deutschland: 29.04.2004
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Fazit

6.5
Interessant wird ein Vergleich zwischen "Aragami" und seinem Wettbewerber schon deshalb, weil TSUTSUMI für seinen Duell-Beitrag „2LDK“ einen auf den ersten Blick völlig anderen Plot gewählt hat. Hier findet der Zweikampf nicht zwischen zwei Kriegern statt, sondern zwischen zwei jungen Schauspielerinnen, die für die gleiche Rolle vorsprechen. Wer immer der Sieger sein wird, es sieht so aus, als finde das Duell sowohl bei „Aragami“ als auch im wahren Leben zwischen zwei sehr gleichberechtigten Gegnern statt.
Gesamturteil 6.5
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