Ero-Manga

Japanische Erotik-Comics

Ero-Manga

Im Laufe der achtziger Jahre kamen neue Manga-Genres auf den japanischen Markt, die vor allen Dingen sexuelle Darstellungen als Gegenstand hatten: Zum einen die auf die bereits populären Mädchencomics reagierenden Lady`s Comics mit stereotypen Geschichten um Büroarbeit, Eheleben und Fremdgehen (mit drastischen Sexszenen) und die für die männliche Leserschaft gedachten Ero- oder Pornomanga (auch Hentai -Manga, Ecchi oder H-Manga genannt).

Ero-Manga tragen Titel wie „Pink Parsle“y, „Hot Pants“ und „Lemon Angels“ oder für den speziellen Geschmack „Black Market“ und zeigen, in drastischerer Form als die Shôjo-Manga und Lady´s Comics Sex in allen möglichen und unmöglichen Spielarten und Paarungen. Traditionelle beliebt sind Manga des Untergenres rorikon (rori= Lolita, kon= Komplex).

Aber auch in den „normalen“ Ero-Manga sehen die weiblichen Figuren meist jünger aus, als es von den Geschichten her der Fall sein kann. Dies hat gesetzliche Gründe. In dem Ende der 1990er Jahre überarbeiteten Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches war die Verbreitung, der Verkauf sowie die Auslage von „obszönen“ Druckerzeugnissen verboten. Dies bezog sich vor allen Dingen auf die präzise Abbildung von Schamhaaren, Genitalien sowie Geschlechtsverkehr. Dies galt für die Darstellung von Erwachsenen, nicht aber von Kindern. Auf diese Art und Weise konnte Zensur umgangen werden. Dies mag ein Faktor von vielen sein, der den Lolita-Komplex mit geprägt hat.
Was mag aber der Reiz an solch jungen Mädchen für die männliche Leserschaft der rorikon sein? Jack Seward, Manga-Experte und Autor des Buchs „Japanese Eroticism. A Language Guide to Current Comics“ beantwortet die Frage mit der Annahme, dass „diese Mädchen in der männlichen Phantasie leichter zu dominieren sind und dass sie wegen ihrer Jugend und sexuellen Neugierde in dem männlichen Leser den Drang aufkommen ließen, sie in die Freuden des Sex einzuführen“. Der Wahrheitsgehalt und moralische Bewertung dieser Annahme mag dahingestellt bleiben. Sicher und richtig ist aber, dass diese Lolita-Heftchen am stärksten von den polizeilichen Zensoren beanstandet werden.

Betrachtet man einen Ero-Manga, so wird einem der beinahe selbstverständliche Umgang mit Gewalt (oft in Form von Vergewaltigungen) und sado-masochistischen Praktiken ins Auge fallen. Gewalt ist ein Element, das seit den sechziger Jahren generell im Medium Manga eine immer größere Rolle spielt. „Gewaltsame Manga dienen offensichtlich als Kompensationsmedium erlebter Zwänge, ohne dass die Gewalt in die Alltagswirklichkeit übertragen wird […] Schönheit entzieht sich den Maßstäben von Gut und Böse [und..] Erotik steigert sich durch Gewaltsamkeit,“ konstatierte Jaqueline Berndt in ihrem Buch „Phänomen Manga. Comic-Kultur in Japan“.
Verständlich, dass dies nicht jedem gefällt und dass von den Sittenwächtern eine von diesen Comics ausgehende Gefahr für die Jugend gesehen wird. Die „Elternvereinigung zum Schutz der Kinder vor Comic-Büchern“ wollte durch Unterschriftensammlungen und kommunale Eingaben alleine im November/Dezember 1990 930 verschiedene Manga indizieren lassen. Der Protest ging neben Gewaltdarstellungen auch gegen „die unsittliche Erziehung der Jugendlichen“ und die „Kommerzialisierung des weiblichen Geschlechts“. Durch ihren Protest haben sie erreicht, dass seit 1991 solche Comics mit dem Aufdruck seinen komikku (Erwachsenencomic) versehen werden müssen.

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