Niedliche Gruselzähne

Der Schönheitstrend Yaeba

Niedliche Gruselzähne

Es gibt Beautytrends, die kann man als nachahmenswert empfinden. Und dann gibt es andere Moden. Wie zum Beispiel handtellergroße Löcher in den Ohrläppchen. Oder großformatige Madonnenbildnisse, die als Tattoo das Gesicht zieren. Auch in Japan gibt es fragwürdige Stilentscheidungen, wie das seit Anfang des Jahrzehnts angebotene tsuke yaeba. Hierüber hat der Look eines kindlichen Vampirs mit spitzen, schiefen Eckzähnchen in die Gesichter vieler junger Großstadtfrauen Einzug gehalten. Und angeblich viele japanische Männer verzaubert.

Zähne sind in Japan ein ganz eigenes Thema. Über Jahrzehnte hatten Kieferorthopäden und Zahnärzte sichtbar weniger zu tun als in den USA und einigen europäischen Ländern. Auch wenn inzwischen einige dem popkulturellen Druck folgend gerade und natürliche Zähne wünschen, streben andere eher nach dem Gegenteil.

Für den Yaeba-Look werden künstliche Reisszähnchen permanent oder temporär auf den Eckzähnen aufgebracht. Diese vielschichtige Zahnmodifikation sorgt für spitze Zähne, die auch Blutsauger aus Transylvanien begeistern würden. Zudem wird das Zahnbild auffallend ungleichmäßig und schief. Und genau das soll geneigte japanische Männer ansprechen. Die dentale Imperfektion erinnert an das bunte Gemengelage von Milch- und bleibenden Zähnen in Kindermündern. Ein Gebiss, das verletzlich und niedlich wirken soll. Oder japanisch ausgedrückt: Es soll kawaii aussehen. Ein Ideal, dem auch heute noch viele junge Frauen nacheifern.

Wie so oft bei zweifelhaften Moden tragen auch hier Popstars die Verantwortung. Das Magazin Japan Today vermutet, dass Sängerin und Schauspielerin ITANO Tomomi vom Pop Idol-Trüppchen AKB48 mit ihren von vielen als süß empfundenen Schiefzähnchen den Trendball ins Rollen brachte. Andere machen MASUOKA Taro für die breitentaugliche, optische Verirrung verantwortlich. Der gute Mann betreibt nicht nur eine Klinik, die den fragwürdigen Dentaleingriff anbietet. Er schickte mit Tsuke Yaeba Band 48, kurz Tyb48, seine eigene, zahntechnisch überarbeitete Girl-Kombo ins Rennen, die schelmisch lächelnd und klebriger Musik für sein Angebot zu warb.

Auch heute noch bieten einige Praxen den Eingriff in das eigene Lächeln an. Wer ein Gefühl dafür bekommen möchte, wie eine kostspielige Verhunzung des Gebisses aussieht,  kann in einem Anbietervideo einem Profi bei der Arbeit zusehen. Gut nur, dass sich nicht jede für eine dauerhafte Anpassung ihrer Zähne entscheidet. Mit verändertem Geschmack kann die Zahnblende entfernt werden. Mit einem Madonnenbildnis im Gesicht ist ein Stilwechsel indes etwas aufwändiger.

 

Tokyo Stories
Vorheriger Artikel
Japan im Stream: Netflix
Nächster Artikel
Die 5 besten japanischen Werbespots (Juli 2017)

Kein Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Zurück
TEILEN

Niedliche Gruselzähne