Frauen in Japan

Die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft

Frauen in Japan

Die japanische Frau – Für viele Europäer beschwört dieser Ausdruck auch heute noch Assoziationen von sittsam lächelnden, in adrette Kimonos gehüllte Frauen mit ordentlich hochgesteckten Haaren hervor, die anmutig mit Papierfächern wedeln oder nette, rote Schirmchen zum Schutz gegen die Sonne aufgespannt haben.

Dass dieses durch zahlreiche Asien-Bildbände geprägte Bild der modernen japanischen Frau nicht mehr gerecht wird, ist für viele schnell einsichtig. Doch wie werden Japans Frauen heutzutage tatsächlich von westlichen Kulturen beurteilt? Sitzt die typische Japanerin nicht auch heute noch ewig lächelnd und sanftmütig stets zu Hause, den Mann und die Kinder fleißig umsorgend? Vermutlich ist dieses Bild in Deutschland weitaus häufiger verbreitet als zum Beispiel das einer toughen Karrierefrau, die selbstbewußt althergebrachten Rollenvorstellungen trotzt.

Fraueneinstieg am Bahnhof
Eigener Zugeinstieg für Frauen an einem Bahnhof in Otsu. Bild: (c) Andreas Fels

Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Auf den ersten Blick scheinen sich die geläufigen Meinungen der unterdrückten japanischen (Haus-)Frau zu bestätigen. Eine zuweilen recht extreme Rollenverteilung beschränkt den Tätigkeitsbereich des Mannes auf die Arbeit, den Broterwerb, den Mittelpunkt des Lebens für die Japanerinnen dagegen stellt die Versorgung der Familie dar. Dies liegt zu einem großen Teil daran, daß die Frauen beinahe automatisch allein für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind. Daher treten viele Frauen bei der Geburt eines Kindes aus dem Berufsleben aus. Dies bringt mit sich, daß viele Firmen wenig in die Ausbildung junger Frauen investieren, da sich dies für die kurze Zeit im Betrieb nicht lohnt. Daher sind Beförderungen des weiblichen Personals seltener und auch Führungspositionen erheblich weniger von Frauen als von Männern besetzt. Es existiert zwar ein Gleichstellungsgesetz, welches besagt, daß Frauen im Beruf die gleichen Chancen erhalten sollten wie ein Mann, daß sie also zum Beispiel aufgrund einer Schwangerschaft nicht diskriminiert werden darf – der Haken besteht nur darin, daß Firmen bei Verstoß gegen dieses Gesetz keinerlei Strafe droht.

Im Gegensatz dazu findet man aber auf Universitäten sehr viele Frauen, da es gern gesehen wird, wenn diese eine gute Bildung erhalten. Dies dient aber größenteils dazu, die Heiratschancen junger Mädchen zu erhöhen und ihnen gleichzeitig eine bessere Ausbildung der Kinder zu ermöglichen, auf die sie eien wesentlichen Einfluß ausüben.

Falsch wäre aber nun die Schlußfolgerung, dass Japan hinsichtlich der Gleichberechtigung der Frau am Arbeitsplatz gänzlich hinter westlichen Ländern hinterherhinkt. Es gibt sehr wohl Frauen, die in Japan Karriere machen, nur sind es längst nicht so viele wie ihre männlichen Kollegen. Außerdem sind rund 40% aller japanischen Werkstätigen Frauen – das ist ein höherer Anteil als in Deutschland. Mehr weibliche Beschäftigte findet man lediglich in Kanada, Skandinavien und den USA. Nur sollte diese Zahl nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Löwenanteil der Erwerbstätigen Frauen von Teilzeitbeschäftigten gebildet wird. Teilzeitbeschäftigungen sind sehr häufing bei Japanerinnen, die nach der Geburt ihres Kindes erneut arbeiten gehen. Dies erlaubt ihnen einerseits , weiterhin für den Haushalt zu sorgen, andererseits sind für Frauen in diesem Alter (meistens ab 40 Jahren) aufgrund mangelnder Qualifikation oder Erfahrung auch kaum „richtige“ Jobs zu erreichen. So sind in Japan vier von fünf Teilzeitbeschäftigten Frauen. Japanerinnen steuern also dem Gehalt des Mannes höchstens noch einen kleinen Anteil bei.

Eine verständliche Reaktion vieler emanzipierter Europäerinnen mag darin bestehen, dass sie die Japanerinnen selbst für ihre Lage verantwortlich machen und nicht verstehen, warum diese so wenig für ihre Rechte kämpfen.
Hierbei kommen aber verschiedene kulturelle Unterschiede zum Tragen, die ein solch grobgerastertes Denken nicht uneingeschränkt legitimieren. Einerseits gelten Hausfrauen in Japan durchaus nicht als arme, unterdrückte Mäuschen, die es nicht ins „richtige“ Berufsleben geschafft haben, sondern genießen im Gegenteil ein respektables Ansehen. Dies liegt zum einen daran, dass die gehobene Position des Mannes sich darin zeigt, dass seine Frau nichts dazuverdienen muss, zum andern aber auch daran, dass die japanische Hausfrau verantwortlich für das Familienbudget ist und viele für die Familie wichtige Entscheidungen allein trifft, da ihr Ehemann oft erst spät von der Arbeit heimkehrt. Zusätzlich übernimmt sie nahezu die gesamte Erziehung der Kinder, auf die der Mann so gut wie gar keinen Einfluß ausübt. Dadurch ist es den Ehemännern möglich, ihre Energien mit maximaler Effizienz der Firma zukommen zu lassen.

Auch wenn es für die Frau gewiss nicht nur von Nachteil ist, den sehr stressreichen Arbeitstag des Mannes nicht auf sich zu nehmen, sollte nicht vergessen werden, dass viele Japanerinnen gern eine qualifizierte Berufstätigkeit ausüben würden, ohne dabei als Konsequenz auf ein Familienleben verzichten zu müssen. Dazu müsste es aber selbstverständlicher werden, dass auch Männer neben ihrer Arbeit noch Zeit finden, sich um den Haushalt zu kümmern und gegebenenfalls selber Teilzeitstellen annehmen, um mehr Zeit für private Belange erübrigen zu können. Dies aber scheint ein Schritt zu sein, der sich nicht einfach von heute auf morgen vollzieht.

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