2 Kilogramm Japan

Über die Entstehung des Bildbands "Japan"

2 Kilogramm Japan

Ende 2007 erschien der opulente Bild- und Textband »Japan« im renommierten Bruckmann-Verlag. Auf 200 Seiten bietet der großformatige Schmöker verzaubernde Fotos und lesenswerte Texte über Land und Leute. Doch wie entsteht ein solches Buch? Ein Blick hinter die Kulissen mit einem der Autoren.

Ich habe es wieder getan. Im Herbst 2005 erhielt ich einen Anruf vom Bruckmann-Verlag, für Freunde von Reiseliteratur und Bildbänden kein unbekannter Spieler im deutschen Büchermarkt. Die verlockende Frage nach dem Begrüßungs- und Vorstellungszeremoniell: »Möchten Sie für uns ein Buch über ganz Japan schreiben?« Ähnliches hatte ich bereits 2003 für einen Bildband des Münchner Verlages getan, wenngleich in kleinerem, aber nicht verschwindend kleinen Umfang – das Werk behandelte die Megapolis Tôkyô.

Das neue Werk sollte nun etwas umfangreicher werden. Mehr Land, mehr Fotos, mehr Seiten. Statt wie seinerzeit von Karl Johaentges sollten nun die Bilder von Hans Sautter kommen, einem Lichtbildner, der seit einigen Jahren in Japan lebt, sich dort zunächst als Schreiner verdingte, am Goethe-Institut zum Deutschlehrer umsattelte und irgendwann nach Kilometern verschossenen Fotofilms mehr und mehr Bildaufträge von Zeitungen und Zeitschriften erhielt, bis Fotografie nicht nur Passion, sondern Beruf war. Nun also die unbeantwortete Frage: Sollte ich die Texte zu dem Japan-Werk liefern?

Ich kratzte mir etwas ratlos den Kopf. Wer schon einmal ein Buch geschrieben hat, weiß, dass es neben dem Spaß des Schreibens und vor allen Dingen der Freude, das gedruckte Papier im Einband irgendwann im Buchladen zu sehen, auch viel Arbeit und Stress bedeutet. Besonders, wenn man es nur nebenbei zum regulären Job machen kann. Ich schlug Unterstützung durch eine Ko-Autorin vor, meine Frau Kerstin, mit der ich bereits jede Menge gemeinschaftliche Texterfahrungen als Soap-Autoren , Pizzatestberichten und beim Aufbau von Japanlink sammeln konnte. Die Projektleiterin des Verlags stimmte zu und unsere Vorarbeiten konnten beginnen.

»Tokyo« war seinerzeit als Wanderung durch die Millionenstadt konzipiert. Der Leser begleitete sein gedrucktes Alter Ego vom Kaiserpalast im Zentrum aus in alle vier Himmelsrichtungen und konnte so nach Gusto die faszinierende Stadt mit vielen ihrer Sehenswürdigkeiten und Stadtteilen erkunden. Bei einem ganzen Land, das auf vier große und tausende kleinere Inseln verteilt ist, funktioniert das nicht ganz so leicht und würde schnell langweilig werden. Also schlugen wir dem Verlag ein anderes Konzept vor.

Nach Festlegen der Themen des Buches, was hierbei größtenteils Orten mit Schauwert und soziokulturellen Besonderheiten des Pazifikstaates entsprach, schlugen wir eine eigene Story vor, die sich eine landestypische Eigenart zu nutze macht: Japan ist, wie viele wissen, nicht unbedingt eine Nation der Urlauber. Nur wenige Tage im Jahr stehen zur Verfügung, um die eigenen Inseln und die umgebene Welt näher kennen zu lernen. So lernt der durchschnittliche Japaner sein Land in der Regel nur durch wochenendliche Kurztrips und wenige Reisen zur Verwandtschaft oder in besonders sehenswerte Regionen kennen.

Auftritt für unsere Figuren Yukiko und Kenji: Die beiden fiktiven Tôkyôter haben noch nie für mehr als ein paar Tage ihre Heimatstadt verlassen, so dass sie schließlich beschließen, eine Rundreise durch ihr Land zu unternehmen. Durch ihre Augen entdeckt der Leser losgelöst von sprachlichen Problemen und europäischen Vorurteilen  nahezu alle spannenden Orte des Inselreichs und erhält ganz nebenbei Fakten zur Geschichte des Ortes und zu kulturellen wie gesellschaftlichen Besonderheiten.

Seite um Seite wuchs das Buch, welches dank des ähnlichen Schreibstils von Kerstin und mir, erfreulich einheitlich geriet. Als der Tag der Manuskriptabgabe näher rückte, ereilte uns schlechte Nachricht aus dem Verlag: Hans Sautter, der damit beschäftigt war, in Japan die Themenliste zu bebildern, erkrankte an einem schweren Krebsleiden und musste sich dann nach einer Operation lange Zeit auskurieren. Sobald er wieder auf den Beinen war, schoss er mit beinahe manischer Inbrunst weitere Bilder für das Buch, ständig die Furcht vor Augen, die Bilder für dieses Buch könnten zu seinem Vermächtnis werden.

Die Bilder von Hans Sautter wurden wundervoll und fangen bestens die Stimmungen der von ihm mit der Kamera besuchten Orte ein. Besonders durch das große Format von zwei gut 31 cm breiten Seiten nebeneinander, wirken doppelseitige Fotos so, als stünde man direkt in den Landschaften und Städten.

Seit Oktober 2007 – mit mehr als einem halben Jahr Verspätung, aber dafür mit erweitertem Umfang – steht der gut zwei Kilogramm schwere Wälzer nun in den Buchhandlungen Auch wenn es erwartungsgemäß und trotz der Arbeitsteilung wieder stressig war, würde ich es natürlich wieder tun. Und das nicht nur, um einen Artikel mit den Worten »Ich habe es wieder getan« beginnen zu können.

Infobox

Andreas und Kerstin Fels (Text), Hans Sautter (Fotos): „Japan“
Bruckmann Verlag, München 2007.
ISBN-10: 3765444715 ISBN-13: 978-3765444715
Seiten: 200 Seiten
Ausstattung: ca. 300 Abbildungen,
Format 29,5 x 31,5 cm,
Hardcover mit Schutzumschlag
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Buchcover: Japan

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